Bunkerbau in Wilhelmshaven - "Die Stadt aus Beton"

Flakfeuer

Bauunternehmen Hermann Möller / diverse Wilhelmshavener Bunker wurden durch diese Firma errichtet

 

Hervorgerufen durch die strategisch wichtige Lage der Stadt Wilhelmshaven, begann man hier wie auch in anderen Städten sehr intensiv, sich mit dem Schutz der Bevölkerung bei möglichen Luftangriffen auseinanderzusetzen. Man wusste bereits Mitte der 1930er Jahre, dass Wilhelmshaven ein begehrtes Ziel feindlicher Flieger sein würde, träte der Kriegsfall ein. Der Bau von Bunkeranlagen begann in Wilhelmshaven, einem Luftschutzort erster Ordnung, bereits Anfang 1939 mit der Errichtung von lediglich splittersicheren, kleinen verklinkerten Rundtürmen mit zwei Ebenen und geschützten Eingangsvorbauten (die Wände bestanden komplett aus Mauerwerk, die Decken aus Stahlbeton), welche unter anderem gehäuft in der ehemaligen "Adolf-Hitler-Siedlung" zwischen Banter Weg und Werftstraße (heute Teil vom Jadeviertel), sowie in den äußeren Ringgebieten wie zum Beispiel Rüstersiel, Himmelreich / Coldewei und Fedderwardergroden an der Posener Straße 17 standen.

Weitere Türme befanden sich unter anderem mehrfach an der Grenzstraße, sowie einmal an der Börsenstraße Ecke Grenzstraße, an der Marktstraße 184 und an der Adolfstraße. Einige der Bauten dieses Types sind noch heute erhalten, zwei wurden zu Wohnungen beziehungsweise Freizeiträumen umfunktioniert. Beinahe zeitgleich, im Frühjahr 1939, wurde der erste Wilhelmshavener Luftschutzturm auf dem Gelände der ehemaligen Marine-Wasserwerke / Hafenbauhof an der damaligen Kaiserstraße, heute Weserstraße, fertig gestellt (Baubeginn wohl bereits Mitte 1938). Der Turm war als bombensicher eingestuft, was zumindest auf die Verhältnisse der frühen Kriegsjahre zutreffen sollte, war von der Form her 16-eckig, in der Gesamterscheinung raketenähnlich mit abgerundeter Kuppel (eine Ähnlichkeit zum Patent "Winkel" des Architekten Leo Winkel bestand) und hatte splittergeschützte nach oben hin abgeschrägte Eingangsschutzbauwerke (diese wurden nachträglich im Krieg angebaut und verstärkten die raketenähnliche Erscheinung noch). Ursprünglich wurde der Turmbunker aus Versuchsgründen erbaut.

Der Turm wurde nach dem Krieg ansatzweise entfestigt und in den 1970er Jahren abgerissen. Das Besondere war der Beobachtungsstand mit integrierter Metallsplitterschutzzelle auf der Turmkuppel. Ein Bunker der gleichen Bauart entstand nur kurze Zeit später auf dem Kriegsmarinewerftgelände an der Ostkaje ("Kettenlager") in Höhe der heutigen Jachmannbrücke. Nach dem Krieg gesprengt, wurde die nach den Abtragungen verbliebene Dachkuppel Ende der 1970er Jahre entfernt. Des weiteren wurden Mitte 1939 bis unmittelbar vor Kriegsbeginn diverse Erd-Deckungsgräben, sowie die ersten Feuerlöschteiche ausgehoben. Die Gräben hatten lediglich eine geringe Splitterschutzwirkung und waren in keiner Weise verstärkt, weshalb sie besonders durch die nach Regenfällen aufgeweichte Erde sehr kurzlebig waren, da sie einfach zusammenfielen. Unter anderem am Wilhelmshavener Rathaus sollen diese Gräben gehäuft ausgehoben worden sein.

Viele Keller waren inzwischen verstärkt worden und zu provisorischen Luftschutzkellern ausgebaut worden. Die Wilhelmshavener ahnten, daß es Krieg geben könnte. Der Bau der Gräben, der verklinkerten Rundtürme und des Hafenbauhof-Turmes sorgten für Beunruhigung in der Bevölkerung...

Und der Kriegsausbruch kam am 1.September des Jahres 1939.

Bereits am 4. September 1939, einen Tag nach der Kriegserklärung britischer und französischer Seite, fand der erste Angriff auf Wilhelmshaven statt. Dabei stürzte ein brennender feindlicher Jagdbomber auf die Deckaufbauten des kleinen Kreuzers Emden, der zu dem Zeitpunkt an der Wiesbadenbrücke (Kohlenzunge) lag. Darauf setzte eine einmalige panikartige Flucht der Bevölkerung aufs Land ein. Sie kehrte jedoch bald wieder zurück und wurde von da ab Schritt für Schritt, Alarm um Alarm auf die Katastrophe vorbereitet, welche in den nächsten Jahren kommen sollte. Von nun an musste sich die Bevölkerung an Verdunklungsverordnungen und Lebensmittelrationierungen gewöhnen. In beinahe sechs darauf folgenden Jahren sollte Wilhelmshaven zu den am meisten durch Luftkriegseinwirkung zerstörten Städten im Bereich des heutigen Niedersachsen, wenn nicht sogar in ganz Deutschland, gehören.

Am 5. September 1939 trafen sich in einem Wilhelmshavener Cafe acht Hochbauamtmitarbeiter. Es fand hier sozusagen die erste Sitzung des Wilhelmshavener Luftschutzbauamtes statt. Schnell war man sich klar darüber, dass der bereits existierende Schutz durch die wenigen Rundbauten und Gräben, sowie der einzelnen Anlagen für Partei und Kriegsmarine niemals ausreichen würde, um die Wilhelmshavener Bevölkerung ausreichend zu schützen. Zumindest im Stadtteil Bant wurde deshalb im Rahmen eines Sonderbauprogrammes durch die Kriegsmarine zügig damit begonnen, splittersichere Behelfsbunker zwischen den Werfthäusern ihrer Arbeiter zu errichten. 80 dieser provisorischen Bauten wurden unter Mühen fertig gestellt.

70 von ihnen sind bis heute erhalten geblieben. Man veranlasste, dass Gebäude getarnt wurden, helle Flächen wurden dunkel gestrichen. Gasschleusen wurden in Luftschutzkeller integriert, aus Angst vor möglichen Giftgasangriffen. Fenster der Keller wurden mit Sandsäcken geschützt, sowie durch Betonblenden verstärkt. Gleiches galt für viele Kellereingangsbereiche. Als weiteres wurden Durchbrüche zu Nachbarkellern geschaffen, um im Fall des Einsturzes eines Hauses die Flucht der Kellerinsassen ins Nachbarhaus zu ermöglichen. Ein Problem im Gegensatz zu anderen deutschen Städten war der hohe Grundwasserspiegel. Dementsprechend waren weniger Häuser unterkellert, als dass es optimal gewesen wäre.

Dennoch entstanden ungefähr 7000 LS-Keller für die Bevölkerung im direkten Stadtgebiet (ohne Vororte), welche den geltenden Vorschriften entsprachen. Die Tatsache des Grundwasserspiegels ist auch der Grund, warum in Wilhelmshaven sehr wenig Tiefbunker entstanden (unter anderem der heute mit einer Sporthalle überbaute Bunker Banter Markt, der Bunker unter der Alten Torpedowerft, der Bunker Wiesbadenbrücke und der unter dem Vorplatz der Halle des Städtischen Verkehrsbetriebes gelegene Bunker Admiral-Klatt-Straße).

Nachdem im Frühherbst 1940 erste Angriffe der RAF (Royal Air Force) auf die Reichshauptstadt Berlin erfolgten, erließ Adolf Hitler als Folge die so genannte Führerweisung, auch "Sofortprogramm" genannt, das "Führerbauprogamm zur Errichtung von bomben- trümmer- und splittersicheren Bunkern" (damit sind Bauwerke gemeint, die gegen alle drei aufgeführten Punkte sicher waren).

Die deutschen Städte und Ortschaften waren schon vor dem Krieg in luftgefährdete Orte (Luftschutzorte) erster, zweiter und dritter Ordnung aufgeteilt worden. Orte erster Ordnung waren so genannte "Bunkerstädte", in denen bombensichere Luftschutzanlagen im Rahmen des Selbstschutzes (Schutz der Zivilbevölkerung) errichtet werden durften. Aus diesem LS-Bauvorhaben entwickelten sich drei Bauwellen, die erste Welle, die zweite Welle und zur Mitte des Krieges die dritte Welle (auch Zusatzprogramm genannt). Albert Speer, Hitlers Architekt, wurde zunächst mit der Aufgabe betraut, Pläne zu entwerfen, später auch die Organisation Todt, welche dann neben Speer ebenfalls den Bau durchführen ließ.

Luftschutzbunker sollten sich harmonisch in das Städtebild einfügen. Sie sollten Standhaftigkeit, Wehrhaftigkeit, die Ausstrahlung eines Monumentes verdeutlichen. Aufgrund der Führerweisung setzte auch in Wilhelmshaven der Bunkerbau ab Oktober 1940 ein. Am 23.10.1940 wurde beschlossen, mit dem Bau in den am meisten gefährdeten Stadtteilen Tonndeich und Heppens zu beginnen. In den darauf folgenden Jahren entstand bis Mitte 1944 eine Unzahl von Luftschutzbauten...

 

Im späten Kriegsverlauf wurde nur noch wenig Wert auf Ästhetik gelegt:

Teils, weil sowieso in der Umgebung des zu bauenden Bunkers nur noch Trümmer und Bombentrichter anzufinden waren und keine Wohnbebauung mehr, in die der Bunker sich hätte einfügen können.

Teils, weil Zeit, Beton und Gelder nicht mehr vorhanden waren.

Im gesamten Stadtgebiet entstand unter anderem eine Serie von beinahe bauartgleichen kleinen Rundtürmen mit einer Ebene, Spitzdach und von außen zu öffnendem Notausgangsblock aus Beton. Er musste von Rettungskräften nach Angriffen, falls die Eingangstür versperrt war, mit Lastmaschinen herausgezogen werden. Die Haken aus Stahl befinden sich teilweise noch heute an der Außenseite der Notausstiege. Nachteil dieser Rundbauten war der nicht vorhandene Splitterschutzvorbau am Eingangsbereich. Lediglich im Inneren war hinter der Tür eine Betonwinkelwand als (fast wirkungsloser) Schutz vorhanden. Die Bevölkerung konnte auf an den Innenseiten angebrachten Bänken Platz nehmen. Gut ist der Aufbau dieser Bunker ohne ein "Betreten" an der heute noch vorhandenen Fundamentplatte in einem Garten an der Sachsenstraße Ecke Mühlenweg zu erkennen. Auch der ehemals vorhandene Mittelsäulenstandort kann noch ausgemacht werden. Diese Rundbunker standen unter anderem in der Stadtparkkolonie und an der Oststraße, einer diente der NSDAP-Kreisleitung im Hof des Robert-Koch-Hauses als Schutz, einige standen auf Schulhöfen, davon drei im Bereich Franziskusschule / Schule Bremer Straße.

Noch heute sind diese Bauten vereinzelt vorzufinden, teilweise friedlich unschuldig bemalt. So genannte Einsatzbunker wurden in Siebethsburg nahe dem LS-Turm Edzardstraße, am Altengrodener Weg, in Rundum und auf der Bauwerft errichtet. Sie waren jedoch im Falle Altengrodener Weg und Rundum angedeutet 16-eckig. Sechs andere bauartgleiche Rundbauten entstanden durch die Kriegsmarine im Stadtgebiet und im nahen Umkreis: Am Manteuffelplatz, an der heutigen Jadewerft (am ursprünglichen Bootsschuppen sowie am Ressortgebäude 4) und zweimal am Lager Totenweg (Funkpeilstation). Der sechste Rundbunker wurde an der Einfahrt zum Werksgelände des Sander Stahlguss errichtet. Sie besaßen wiederum Splitterschutzvorbauten vor den Eingängen. Das alte Pumpwerk, gegenüber der Jadewerft an der Deichbrücke, wurde verbunkert (Notpumpwerk).

In fast allen Stadtteilen entstanden große Hochbunker (auch Luftschutzhäuser oder Klotzbunker genannt). Genau wie die großen Luftschutztürme mussten sie auf einer Unzahl von Holzpfählen gegründet werden. Der weiche Marschboden erforderte diese Maßnahme, da die Bunker sonst zwangsläufig versackt wären. In unserer Region war dies auch beim Bunkerbau in Emden der Fall. Fünf voll ausgerüstete OP-Bunker wurden gebaut. An der Virchowstraße am Städtischen Krankenhaus, am alten Stadtkrankenhaus (Werftkrankenhaus), am Marinelazarett (runder Luftschutzturm, dieser Bunkertyp wurde sehr selten als OP-Bunker verwendet), am St. Willehad-Hospital und in Sanderbusch am Krankenhaus (Marinelazarett). Auch eine Bunkeranlage auf dem Kriegsmarinewerftgelände in Höhe des Werftarbeiteramtes gegenüber der Torpedokaserne besaß teilweise OP-Einrichtungen. Die OP-Bunker sollten Schutz für das Personal und Patienten bieten, sowie Operationen auch während der Angriffe ermöglichen. Noch heute sind zwei dieser Anlagen bedingt als Hilfskrankenhäuser eingerichtet, der Bunker am St. Willehad-Hospital und am heutigen Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch.

Die Hochbunker hatten verschiedene Ausmaße. Sie fügten sich durch ihre Bauweise am Anfang recht ästhetisch ins Stadtbild. In der flach bebauten Siedlung Bant entstanden zweigeschossige Bunker. In anderen, höher bebauten Stadteilen, drei- bis viergeschossige Anlagen. Drei Bunker mit Spitzdach wurden errichtet. Am Banter Weg, der Heppenser Straße und dem Heppenser Berg. Dieser dient heute neben dem Bunker Westbahnhof im für den Ernstfall bereitgestellten Zustand dem Zivilschutz. Deckungsgräben in betonierter Form wurden errichtet in Fedderwardergroden, an der Schule Neuende, am Gartenweg, am Potenburger Weg, an der Klinkerstraße und zweimal am Botanischen Garten (ehemalige Grodenschule). Fünf der Gräben sind nachweislich vorhanden. Der Deckungsgraben Potenburger Weg wurde im März-Mai 2006 entfernt.

So genannte "Herzbruchstollen", benannt nach dem Konstrukteur, wurden elfmal im Stadtgebiet zwischen 1939 und 1940 errichtet. Nach dem Patent zu urteilen konnte der runde Hauptbunkerkörper durch mehrere Eingangsbauwerke betreten werden. Acht dieser Anlagen wurden beseitigt. Erwähnenswert sind auch die beiden Hochbunker, welche bauartgleich an der Paulstraße und der Marktstraße West entstanden. Ein weiterer fast identischer Bunker wurde an der Grenzstraße circa 70 Meter nördlich der heute nicht mehr existierenden "ABC-Straße" errichtet. Interessant sind zwei Hochbunkerpaare, welche jeweils auf dem Gelände der ehemaligen UTO-Werft / Westwerft und am Wildvangweg errichtet wurden. Sie beherbergten der Flakverteidigung zugehörige Leitstellen und waren Regelbauten wie jene des Atlantikwalles (wohl Regelbau FL 354 / FL 354A, Regelbau R 661).

Eine Vielzahl unterschiedlichster Kleinbunker wurde, teilweise auch privat, in allen Stadtteilen erbaut.

Man setzte auch nach Kriegsbeginn hohen Wert auf den weiteren Aushub von Feuerlöschteichen. Dieses Teichnetz galt aber erst im Jahre 1943 als weitgehend vollendet. In den Vorstadtsiedlungen ("Siedlungszellen") von Wilhelmshaven entstanden so genannte "Zellenbunker". Jeder Vorstadtteil hatte "seinen / seine" Bunker. Gut zu sehen ist das noch heute am Beispiel Rüstersiel. Die Zellenbunker Sande, Sanderbusch und Cäciliengroden (alle drei Orte ab 1943 dem Luftschutzkontingent Wilhelmshavens zugehörig), Altengroden und Fedderwardergroden wurden nicht mehr fertig gestellt. Das Musterbeispiel Mariensiel (ebenfalls ab 1943 Wilhelmshaven unterstellt) wurde sehr zügig nach Kriegsende gesprengt und in den 1970er Jahren dann bis auf den Keller und die Zerschellerplatte beseitigt. Heute steht an seiner Stelle ein Mehrfamilienwohnhaus.

Flakstellungen entstanden unter Führung der verbunkerten Flakleitstelle und Luftverteidigungszentrale Rosenhügel unter anderem: Im Stadtpark (Flak Kirchreihe), Fort Schaar (leichte Flak), Schaar, Schaardeich nördlich Mariensiel (leichte Flak), "Grodenbatterie" Neuengrodener Deich (leichte Flak), Fort Rüstersiel (leichte Flak), Geniusbank, 4.Einfahrt (Raederschleuse), 3.Einfahrt, 2.Einfahrt, 1.Einfahrt, am Banter Seedeich (Flakgürtel Banter Seedeich / leichte Flak, Flak Tirpitzhafen) von Mariensiel Ost bis zum heutigen Grodendamm, sowie in Cäciliengroden, Fedderwarden (leichte Flak), Sengwarden / Kaserne (leichte Flak), Fedderwardergroden ("Flakstellung Rüstersiel") und Voslapp-Fort Altona (leichte Flak). Reste einiger Bunkerstellungen sind teilweise noch zu erkennen.

Die Marine legte im Stadtgebiet und Werftgebiet ihre eigenen Bunker an, welche aber in späteren Kriegstagen teilweise auch der Zivilbevölkerung offen standen. Dazu gehörten drei bauartgleiche runde Luftschutztürme einer eigenwilligen, sehr riskanten Bauart mit aufgesetztem Turmbeobachtungsstand. Ein Volltreffer hätte wahrscheinlich durch den Schwachpunkt des Beobachtungsstandes ein Massaker im Inneren verursacht. Zwei Türme standen an den Landungsufern des Fliegerdeiches und einer im Werftgelände zwischen Kesselschmiede 1 und 2. Alle drei Bauten wurden nach dem Krieg restlos abgetragen. Es wurde fünfmal der standardisierte Truppenmannschaftsbunker 750 realisiert. Zwei Bauwerke sind noch heute erhalten und sind wohl die markantesten Anlagen in Wilhelmshaven. Es wurde der bis dato als Unikat geltende Truppenmannschaftsbunker 1500 in der Ebertstraße errichtet. Um Beton und Standortplatz zu sparen, wurden zwei Mannschaftsbunker 750 vereint. Der Hochbunker bekam nach Fertigstellung den Propaganda- und "Aufmunterungsnamen" in harten Tagen - "Trotz" - aufgesetzt.

Nur ein weiterer direkt militärisch angelegter Bunker hatte offiziell einen eigenen Namen: Der so genannte "Artilleriebunker" auf dem Werftgelände an der Südkaje. Auch andere Bunker im Stadtgebiet hatten mehr oder weniger offizielle Namen: So zum Beispiel der so genannte "Göring-Bunker" (auch "Schwichow-Bunker" genannt) hinter der heutigen Mozartstraße (die nahe Parkstraße hieß damals Göringstraße), oder der "Hansa-Bunker" an der Hamburger Straße. An der Hafenneubaukaserne "Hafenkaserne" (Hafenneubaukommando) entstand sehr früh im Krieg ein Luftschutzturm der seltenen Bauart Dietel. Er wurde nach dem Krieg gesprengt und blieb in Schieflage bis in die 1980er Jahre erhalten. Im Wilhelmshavener Volksmund bekam er den Namen "Schiefe Mütze". Zwei markante runde Luftschutztürme wurden an der heutigen Kortekreuzung, Gökerstraße Ecke Bismarckstraße, am damaligen Kurparkeingang errichtet. Dazwischen lag das so genannte "Adolf-Hitler-Tor". Sie hatten den Charakter einer mittelalterlichen Wehranlage.

Das Interessanteste war der ungleichmäßig starke Prozentanteil an Luftschutztürmen in Wilhelmshaven!

Weitere bauartgleiche Rundtürme einer anderen Serie entstanden im näheren Ringgebiet, Voslapp und in Sande am Bahnhof, jedoch nicht direkt im Stadtkern Wilhelmshavens. Die Türme am Banter Weg Ecke Bremer Straße, in Neuengroden Mitte-Süd an der Gökerstraße und in Fedderwardergroden an der Elbinger Straße, der Weichselstraße und der Dirschauer Straße wurden nicht fertig gestellt (auch einige andere Bunker der Stadt wurden nicht fertig gestellt, ob dies mit der im späteren Kriegsverlauf durch Evakuierung zurückgehenden Bevölkerung zusammenhing, mit der Tatsache der Baustoffknappheit, oder eines verordneten Baustoppes, kann nicht gesagt werden).

Die Luftschutztüme hatten einen angesetzten Lüftungsturm und vor den Türen Schutzvorbauten. Eine weitere 16-Eck-LS-Turmserie entstand (als Modifizierung des Marine-Wasserwerke / Hafenbauhof-Turmes und seinem Zwilling auf der Werft) auf dem Kriegsmarinewerftgelände Nord-West Höhe Schiffbauhalle Tor 3 (dieser Turm verfügte über einen aufgesetzten Beobachtungsstand und eine sehr flache Kuppel), an der ehemaligen "Tausendmannkaserne", der Hafeninsel (beide ebenfalls mit Beobachtungsstand und Flachkuppel), einmal in Heppens, zweimal auf der UTO-Werft und viermal am Banter Lager. Diese Türme wurden mit Spitzkuppel und teilweise mit integriertem Beobachtungsstand gebaut. Gleichzeitig waren sie die höchsten LS-Türme in Wilhelmshaven, weshalb sie leider bei Nahtreffern auch am meisten schwankten. Lediglich der Heppenser Turm an der Norderneystraße hat die Nachkriegszeit unversehrt überstanden.

An vielen Luftschutztürmen lassen sich an den Außenwänden Metallstreben finden, welche für die später vorgesehene Verblendung angebracht wurden. Heute ist nur noch ein Beispiel von ursprünglich drei reell klinker-verblendeten großen LS-Türmen vorhanden (nur der Bunker der Flakleitstelle Rosenhügel wurde zusätzlich ebenfalls vollständig verklinkert): An der Ecke Gökerstraße / Rheinstraße.

Drei Luftschutztürme der Bauart Zombeck wurden sehr früh im Krieg gebaut. Sie hatten im Gegensatz zu den anderen Türmen keine Geschosse, sondern nur eine schneckenförmig nach oben laufende Rampenebene. Die eindrucksvolle Ruine eines Zombeckturmes ist noch heute an der Rheinstraße zu sehen. Die anderen Türme befanden sich auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz in Höhe des "Tor 1" und gegenüber des Karstadtgebäudes (diese stellten die beiden anderen klinker-verblendeten Großtürme in Wilhelmshaven dar). Sie wurden bald nach Kriegsende gesprengt und beseitigt. An der Marine-Nachrichtenstelle in Langewerth wurde von der Marine ein modifizierter Truppenmannschaftsbunker 1100 errichtet. Er war der erste Bunker außerhalb des Werftgeländes, welcher nach dem Krieg von den Engländern gesprengt wurde (9.7.1949), leider nicht ohne Verluste für die Nachbarbebauung.

Bis Ende des Jahres 1944 und evenuell noch bis 1945 hinein (Bauprogramm zur Verteidigung der Deutschen Bucht) entstand in Wilhelmshaven mit seinen Vororten Sengwarden, Fedderwarden, Langewerth, Mariensiel, Roffhausen, Middelsfähr, Cäciliengroden und Sande (alle ab 1943 unter dem LS-Kontingent Wilhelmshavens geführt) die eindrucksvolle Zahl von mindestens 1145 Luftschutzanlagen (eingerechnet auch einige nachweisbar geplante Anlagen, nicht eingerechnet tausende "einfache" äußerlich kaum oder nicht erkennbare Luftschutzkeller im Stadtgebiet, sowie diverse nicht mehr ermittelbare Standorte weiterer Anlagen), welcher es die Bevölkerung zu verdanken hatte, dass die Rate an Luftkriegsopfern im Bereich Wilhelmshaven mit 435 Toten im Vergleich zu anderen Städten verhältnismäßig gering war. Der Luftschutzort Wilhelmshaven war total verbunkert! Wilhelmshaven, die "Stadt aus Beton", besaß im Verhältnis zur Einwohnerzahl und Fläche die meisten Luftschutzanlagen aller Städte Deutschlands.

Einmarsch der polnischen Exildivision am 6. Mai 1945 in Wilhelmshaven nahe Café Hillmers...

In der Nachkriegszeit wurden Anlagen auf Weisung der Besatzer hin gesprengt und beseitigt, abgerissen (bis in die 1990er Jahre hinein), oder zu Wohnhäusern umfunktioniert, wie in der Heppenser Straße (heute Reinigungsfirma / Altenpflegeheim), am Bahnhof / Rheinstraße, an der Störtebekerstraße, an der Kantstraße oder an der Hamburger Straße. Ein Beispiel für "halbe Arbeit" lässt sich noch heute in Form eines lediglich entfestigten "offenen" Bunkers im Bereich Siebethsburg West / Sedan finden. Andere Bunker wurden aufgrund des aufkommenden Kalten Krieges im Rahmen des Zivilschutzes der Bundesrepublik Deutschland wieder hergerichtet.

Wilhelmshaven muss damals zum Kriegsende derartig obskur verbunkert erschienen sein, dass trotz der nachträglichen Entfernung vieler Anlagen jedem neuzeitlichen Besucher der Stadt auch heute noch die vielen verbliebenen Bunkerrelikte einer anderen, längst vergangenen Zeit sofort ins Auge fallen!

Eine Abschlussauflistung und Bewertung des Bunkerkontingentes in Wilhelmshaven wird wohl nie erreicht werden, da in den letzten Kriegswochen 1945 sämtliche Akten nach Böhmen und Mähren ausgelagert wurden und dort verbrannt sein sollen. Eine abschliessende Arbeit über dieses Kapitel Wilhelmshavens zu erstellen, wird mit der Zeit nicht leichter. Viele wertvolle Zeitzeugen werden bald nicht mehr unter uns sein.

Deshalb ist es jetzt wichtig, die Auseinandersetzung mit der Thematik am Leben zu halten, um mit der Zeit eine annähernd authentische Arbeit zu erstellen.

Dies wird unser Ziel sein.

Wer mehr über Wilhelmshavens Geschichte erfahren möchte, möge das Stadtarchiv Wilhelmshaven, Rathausplatz 10, 26382 Wilhelmshaven, besuchen. Dort findet sich eine Fülle interessanter Informationen über die Historie dieser Stadt.

 

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